Wenn der Fußball ruft …

TrffDer Wecker klingelt. Es ist Samstag Morgen 10:00 Uhr. Du öffnest deine Augen und denkst übermüdet an die stressige Arbeitswoche, die zurück liegt. Mal wieder musstest du Überstunden fahren, hast viel zu wenig geschlafen und kaum Freizeit gehabt. Doch auf dem Weg in die Küche schiebst du die Gedanken weit zurück in deinem Kopf. Du machst dir eine Tasse Kaffee, steckst dir eine Zigarette an, setzt dich an den Küchentisch ….. und beginnst zu lächeln.

Denn es ist Samstag. Heute Mittag spielt dein Verein auswärts in diesem Dorf, zum gefühlten 20. Mal und doch kannst du dir den Namen des Dorfes einfach nicht merken. Aber es ist dir auch nicht so wichtig, denn es zählt nur, dass dein Verein dort spielt. Die Fakten zum Spiel selbst kennst du: Dein Team ist Zehnter in der 5. Liga, es hat nichts mit dem Aufstieg und genauso wenig mit dem Abstieg zu tun, egal wie das Ergebnis heute Mittag lautet.

Auf der Arbeit wirst du von den Kollegen nur müde belächelt, du bist der Verrückte, der wohl am Wochenende nichts Besseres zu tun hat. Sie verstehen dich nicht, wenn du ihnen versuchst zu erklären, was der Fußball für dich ist. Doch du stehst da auch drüber, gibst nichts mehr auf die ewigen Sticheleien.

Du springst unter die Dusche und ziehst dich an. Die Jeans, der Hoodie, die Basecap und den Schal. Alles wie immer. Du trägst jede Woche das Selbe, weil du daran glaubst, es bringt Glück. Und hey, deine Mannschaft hat die letzten zwei Spiele nicht verloren, das muss sicher damit zusammen hängen. Eigentlich weißt du, dass dieser Gedanke einfach Schwachsinn ist und dennoch kannst du dieses Ritual nicht aufgeben.
Auf dem Weg zur Tür plünderst du noch schnell dein Erspartes, weil deine Bank eher gerne mal wieder Geld von dir sehen möchte, als dir noch weiter Welches zu geben. Und dann verlässt du das Haus in Richtung Supermarkt um die Ecke. Du kaufst dir vier Dosen Bier und gehst weiter zum Treffpunkt.

Da warten sie auch schon, deine Freunde, die du eine ganze Woche nicht gesehen hast. Von weiter weg hörst du schon, wie sie sich noch über das Heimspiel letzte Woche unterhalten. Als sie dich sehen beginnt schon das Gelächter und die Witze darüber, was du wohl so getrieben hast, weil du 15 Minuten zu spät zum Treffpunkt kommst. Mal wieder. Eigentlich wie jeden Samstag. Doch das bist du ja schon gewohnt und wahrscheinlich würde es dir auch fehlen, wenn sie es nicht tun würden.
Angekommen bei den Jungs stößt du erst Mal mit ihnen an, auf das bevorstehende Spiel. Auch wenn du es ihnen niemals sagst, du bist immer froh bei ihnen zu sein, du fühlst dich bei diesen Jungs zu Hause und sie sind für dich wie deine Familie.

Nach zwei Bier geht es dann los, ihr teilt euch auf die Autos auf und fährt die 130km in das Dorf, wo mittlerweile wenigstens einer den Namen kennt, der mit dem Navi, der immer vor fährt. 200 Zuschauer verfolgen das 5. Ligaspiel zwischen dem Zehnten und dem Dreizehnten. Deine Mannschaft verliert 0:2 und das auch noch verdient. Keine Ahnung was momentan im Team nicht stimmt, oder woran es liegt, dass die Mannschaft so schlecht spielt. Du wirst es auch nicht herausfinden können und doch denkst du die ganze Rückfahrt lang darüber nach. Der Gedanke lässt dich nicht los, du musst den Grund für die Niederlage kennen, vorher kommst du nicht zur Ruhe.
Auf der Rückfahrt ist es still im Auto, es gibt ja nichts zu feiern. Wenn ihr redet, dann nur über diesen Verteidiger, der das 0:1 verschuldet hat.

Am Treffpunkt angekommen verabschiedest du dich von den Jungs und trittst den Heimweg an. Du bist wütend wegen der Niederlage und weißt nicht wie es weiter gehen soll. Ein weiteres Jahr 5. Liga, wieder in diese Dörfer, deren Namen du dir nicht merken kannst, wieder ein Zuschauerschnitt von 200 Mann. Und du entschließt dich zum 7. Mal dazu nicht mehr hinzugehen und dem Fußball den Rücken zu kehren. Denn die Arbeitskollegen haben Recht, es gibt so viel, was man besseres tun kann an einem Samstag Nachmittag.
Zu Hause angekommen um 18:30 Uhr legst du deinen Schal und deine Basecap auf den Tisch, wirfst dich auf dein Bett, schaust das Trikot an, das seit Jahren an deiner Wand hängt und lächelst. Denn du weißt, dass du deinem Verein morgen wieder verzeihst und nächste Woche im Stadion stehst ……….

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