Einer der Letzten seiner Art: Steven Gerrard

urlGut zwei Tage sind vergangen, seit Steven Gerrard sein letztes Spiel an der Anfield Road bestritt. Und irgendwie macht es mich traurig, auch ohne dass ich die Premier League wöchentlich intensiv verfolge. Der zentrale Mittelfeldspieler brachte es in 17 Jahren Profi auf 688 Pflichtspiele für die Reds und war 12 Jahre lang Kapitän. Seine Geschichte an der Anfield Road begann allerdings schon viel früher. 1989 begann er mit 9 Jahren in Liverpool gegen den Ball zu treten und war von da an nicht mehr von diesem Verein zu trennen. Vorher spielte er noch in der Jugend der Whiston Juniors.

Immer wieder gab es schon zu Jugendzeit Anfragen anderer Vereine, immer wieder auch vom Ligakonkurrent Machester United, doch „Stevie G“ war einfach nicht von Liverpool weg zu bewegen. Scheinbar gibt es ein unsichtbares Band zwischen Verein und Spieler, dass es einfach nicht zulässt, dass diese zwei getrennt werden. Ein Spieler, den man heute nur noch selten findet.
Nie war Gerrard der Mann der großen Worte, auch nie der Torgefährlichste und auch nicht der Spieler mit den meisten Vorlagen. Aber er war der Stabilisator, das Idol und der Spieler für die wichtigen Spiele. Hört man andere Spieler, die ihre Karriere in Liverpool begannen, oder einen Zwischenstopp dort einlegten, dann hört man immer Positives über den Captain, der schon früh der Ansprechpartner und Helfer für die jungen Spieler war.

Aber Steven Gerrard war vor allem eins: treu. Treue findet man im heutigen Fußball nur noch selten. Sei es Mario Götze, Manuel Neuer, Zlatan Ibrahimovic oder unzählige andere Spieler auf dieser Welt. Es scheint, als würde man den Verein lieben, der am Ersten den größten Betrag überweist. Das sollte aber nicht so sein. Die Nummer 8 der Reds gehört seit Jahren sicher nicht zu den Spielern mit dem geringsten Gehalt, allerdings hätte er doch des Öfteren die Möglichkeit gehabt, bei ManU, Man City oder Chelsea noch mehr zu verdienen. Die Angebote hierzu sollen jährlich vorgelegen haben. Aber Gerrard war ein anderer Mensch. Er spielte für das Wappen auf der Brust und zählte am Ende der Saison dafür nicht die Trophäen. Sicher ist er stolz 2005 die Champions League mit dem FC Liverpool gewonnen zu haben. Das Finale damals war auch wohl mehr als spektakulär, als die Reds ein 0:3 gegen den AC Mailand noch aufholten und am Schluss das Finale gewannen. Dafür hat Gerrard nie die Premier League gewonnen und im Gegensatz zu anderen auch eher selten eine große Rolle im League Cup gespielt.

Und ja, ihm kaufe ich ab, dass er für den Verein und nicht für das Geld und den Ruhm gespielt hat. Schaue ich mir heute die Bilder von seinem gravierenden Fehler gegen Chelsea letzte Saison an und schaue Steven ins Gesicht, dann sehe ich, wie Leid ihm das tut. Ein anderer Fußballer schreibt diese Situation schnell wieder ab und macht weiter, Gerrard wird auch heute noch darüber nachdenken, verpasste Liverpool schließlich durch seinen Fehler den Titel in der Liga.

26, in Worten: Sechsundzwanzig Jahre im gleichen Verein, ist eine unglaubliche Leistung im heutigen „Geschäft“ Fußball. Umso schöner auch zu sehen, wie Gerrard in schlechten Zeiten des Vereins nicht losgelassen hat und umgekehrt der Verein in schlechten Zeiten von Gerrard nicht losgelassen hat. Das ist für mich großer Sport. Leider planen die Reds die neue Saison ohne ihren Kapitän und Steven Gerrard ohne seinen Verein. Er wechselt zu L.A Galaxy, wo er seine Karriere von bisher 17 Profijahren locker ausklingen lassen wird. Auch wenn einige sagten, es hätte einen faden Beigeschmack, nun in die USA zu gehen, weil sich die alten Stars dort doch des Geldes wegen sammeln,bin ich mir sicher, er will einfach nur noch 2-3 Jahre Fußball spielen. Ich hoffe nur, er wird nicht wie Frank Lampard auf Leihbasis zurück auf die Insel kommen, dass würde irgendwie nicht zu seiner Geschichte passen.

Nach Ryan Giggs in der letzten Saison macht nun also eine weitere Legende nach über zwei Jahrzenten Schluss bei seinem Jugend- und Profiverein. Ein Spieler, der nie die ganz großen Medaillen gewann und doch immer glücklich war, wenn er auf dem Feld stand. Ich hoffe einfach, dass es bald wieder solche Spielertypen geben wird. Und bis dahin sage ich: You’ll never walk alone, Stevie!

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