Der „unvergessene“ DSC – Erinnerung an die große sächsische Meisterelf

Sie waren der letzte deutsche Meister vor der Teilung Deutschlands. Sie waren die vielleicht beste Mannschaft jener Zeit Anfang Mitte der Vierziger und bestimmten auch in den ersten Jahren den Fußball in der sowjetischen Besatzungszone. Mit dem Ende des „unvergessenen DSC“ verabschiedete sich fast die komplette Mannschaft in den Westen der Republik.

Tschammer1Die Ursprünge des Dresdner SC beginnen 1874 mit dem Dresden English Fo0tball Club, der erste Verein weltweit der das Fußballspiel in jener Zeit nach den heute gültigen Regeln außerhalb Englands spielte. 20 Jahre lang verlor der DFC kein einziges Spiel, nicht mal ein einziges Tor schafften die Gegner in jener Zeit. Als 1894 die Berliner Victoria (nach der Jahrhundertwende zweimaliger Meister) dem DFC eine 2:0 Niederlage zusetzte, wollte das die Fußballwelt erst gar nicht glauben.

1898 erfolgte die Gründung des Dresdner Sport-Clubs (DSC) durch ehemalige Mitglieder des Dresden English FC und des Neuen Dresdner FC. Die ganz großen Glanzzeiten waren erstmal dahin. Erst mit der Einführung der Gauligen kehrten die großen Fußballzeiten zurück nach Dresden. Auf sächsischer Ebene war man über ein Jahrzehnt die bestimmende Mannschaft. 1940 konnte der DSC auch wieder überregional für Furore sorgen. Als zweiter sächsischer Verein nach dem VfB Leipzig erreichte man das Endspiel um die deutsche Meisterschaft, doch gegen die dritte große Schalker Generation unterlag man zwar knapp, aber spielerisch deutlich mit 1:0. Dafür holte man erstmals den Tschammerpokal (Vorläufer des DFB-Pokals) gegen den haushohen Favoriten 1.FC Nürnberg.

Der Beginn einer großen Ära. Denn nur ein Jahr später revanchierte man sich für das verlorene Endspiel mit einem 2:1 Sieg über Schalke und konnte damit den Pokaltitel verteidigen. 1943 erreichte man erneut das Finale um die deutsche Meisterschaft, mit einem klaren 3:0 ließ man dem FV Saarbrücken keine Chance. Die Dominanz der Dresdner zu dieser Zeit spiegelte die dritte Finalteilnahme in vier Jahren 1944 wieder. Es war die letzte Kriegsmeisterschaft, der Tschammerpokal musste aufgrund der Bombenangriffe noch vor Beginn der Hauptrunde abgebrochen werden. Dresden traf im Endspiel auf den Luftwaffen-Sportverein Hamburg, dem man mit einem klaren 4:0 keine Chance ließ. Der Dresdner SC um die Nationalspieler Helmut Schön (Kapitän der Nationalmannschaft), Richard Hofmann und Torhüter Willibald Kreß, spielte am heimischen Ostragehege regelmässig vor bis zu 60.000 Zuschauern.

Quelle: Agon Verlag

Quelle: Agon Verlag

Mit dem Kriegsende und den Kapitulationsbestimmungen musste sich der Dresdner SC auflösen. Ehemalige Mitglieder gründeten daraufhin die SG Dresden-Friedrichstadt. In der Saison 1949/50 spielte die SG in der DDR-Oberliga. Als am letzten Spieltag die Meisterschaft in einem umstrittenen Spiel gegen Horch Zwickau mit einer 1:5-Niederlage verspielt wurde, setzte sich der Großteil der Mannschaft auf Initiative von Helmut Schön nach West-Berlin ab. Das Entscheidungsspiel beendete Dresden in Unterzahl. Drei Spieler mussten verletzt das Spielfeld verlassen. Das Resultat übertriebener Härte der Gäste, die vom Schiedsrichter nicht geahndet wurde. Im Gegenteil eindeutige Verstösse wurden nicht geahndet. Das „Hans-Steyer-Stadion“ tobte und wurde in der Folge für 6 Monate gesperrt.

Hanns Leske verweist in seinem Buch „Enzyklopädie des DDR Fußballs“ darauf, dass die spätere Entwicklung des Fußballs in der DDR an diesem Tag ihren Ursprung hatte. Walter Ulbricht der damals stellvertretende Ministerpräsident der DDR war bei diesem Spiel ebenfalls zugegen und ließ es sich nicht nehmen euphorisch über den Zwickauer Sieg des sozialistischen Vorzeigebetriebs „Horch“ zu jubeln. Es folgte die Abrechnung mit bürgerlichen Vereinen. Zumal die SG Dresden-Friedrichstadt zu damaliger Zeit noch immer über zahlreiche Geschäftsleute verfügte, die den Club finanziell unterstützten.

Die Repressionen die folgten, Platzsperre, einjährige Spielsperre für Helmut Schön und die angekündigte Auflösung der SG Friedrichstadt durch Anschluß an eine BSG gaben letztlich den Anstoß, sich nach West Berlin abzusetzen. Formal wurde die Auflösung der SG mit dem Fehlen eines Trägerbetriebes begründet und Spieler und Umfeld als amoralischer, kapitalistischer Sumpf diskreditiert. 9 Spieler verließen Dresden Richtung Berlin, die Mehrzahl schloß sich Hertha BSC an, drei wechselten zu Wacker 04 Berlin. 1954 erinnerte der „kicker“ aufgrund zahlreicher Leserbriefe nochmal an die legendäre DSC Mannschaft und zeigte was aus den Spielern wurde. Der bekannteste unter ihnen war letztlich der ehemalige Nationalstürmer Helmut Schön (17 Tore in 16 Spielen), der zu dieser Zeit als Bundestrainer der saarländischen Nationalmannschaft arbeitete. Andere wurden Vereinstrainer, wie Hempel der einige Jahre den FC St.Pauli betreute, viele aber gingen mittlerweile geregelten Berufen nach.

 

 

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