Erinnerung an Erich „Nebbi“ Leist…

erich leistDie „SZ“ nannte ihn einmal den „Ballett-Tänzer der Borussia“. Die Umschreibung bezog sich auf das berühmte Foto auf dem neben Erich Leist, Achim Melcher und Timo Konietzka im Gleichklang zu sehen sind. Am vergangenen Mittwoch nun verstarb Erich Leist im Alter von 79 Jahren. Weiterlesen

Eine treue Seele des Vereins…

Ende der Fünfziger entwickelte sich nach und nach die vielleicht beste Borussenmannschaft aller Zeiten, kein Wunder das Helmut Ferrang leuchtende Augen bekommt wenn er von jenen Jahren berichtet. Der gebürtige Bexbacher geht seit 1958 zu den Spielen der Schwarz-Weissen und dürfte eigentlich jedem der regelmässiger Gast im Ellenfeld ist, schon einmal aufgefallen sein. Denn Helmut pflegt nicht nur der erste an Spieltagen zu sein, sondern auch bei Wind und Wetter im Block5 zu stehen. Darauf angesprochen erzählt er, dass er den Tick so früh loszufahren noch aus Bundesligazeiten drinne hat. Damals musste er trotz früher Anfahrt noch in der Nähe des Neunkircher Zoo´s parken, den Rest ging es dann in der Menschenmasse Richtung Stadion. Schon mittags war es eine einzige Wanderung in der ganzen Stadt.

an Spieltagen fuhr eine Bahn hinter der anderen...

an Spieltagen fuhr eine Bahn hinter der anderen…

Auch nach den Spielen ging es noch hoch her, so zogen tausende über die Spieser Höhe zur Einkehr. Ein beliebter Anlaufpunkt damals war eine Kneipe zwischen Spiesen und St.Ingbert, wo ein ältere Dame immer die neusten Serviermädels am Start hatte. Überhaupt kann Helmut eine Menge Geschichten von Fahrten erzählen, so stellte der Verein zur damaligen Zeit regelmässig Fanbusse zur Verfügung. Nach Trier fuhren damals über 200 Leute auf diese Weise mit und selbst für einen Sonntag waren die Fahrten feucht fröhlich. Allerdings dauerten die Touren etwas länger, denn die Autobahn Richtung Trier gab es damals noch gar nicht. Genauso wenig wie eine ausgebaute Bundesstraße Richtung Landau und gerade Spiele in der Pfalz gab es zu Oberligazeiten noch reichlich. Damals wie heute gab es wohl auch schon das Gesetz, dass sich Borussia gerade bei den Kleinen immer besonders schwer tat.

photo.phpMan kann sich das heute wohl nur noch schwer vorstellen zu zweit auf einer Vespa nach Ludwigshafen zu fahren oder mehr oder weniger ohne Landkarte zum Pokalspiel nach Aachen. Doch wenn man hört wie Helmut ins schwärmen gerät wenn er über Erich Leist, Rudi Dörrenbächer oder Elmar May spricht: „und wenn wir den Dörrenbächer nicht verloren hätten, dann wären wir noch heute in der Bundesliga.“  Dann kann man eigentlich nur dankbar sein das es noch Zeitzeugen jener Jahre gibt. Auf das hier und jetzt angespochen merkt man, was nicht verwundern kann, wenn man die besseren Tage erlebt hat. „Heute spielen wir einen sehr guten Fußball, muß man ja sagen und trotzdem kommen nur 350 Zuschauer das kanns nicht sein, das kanns wirklich nicht sein. Wenn es gut lief dann haben sie die Leute immer verscheucht und die Leute haben sich das nicht gefallen gelassen. Das ist ne arme Zeit heute…“. Übrigens ist der Block 5 erst seit dem Umbau des Ellenfelds sein Stammplatz, vorher stand Helmut da wo heute nur noch ein Rasenstück zu sehen ist, auf Höhe Eingang des Ellenfelds.

Was wurde eigentlich aus…Werner Görts?

Werner Görts als Neuzugang vor der Saison 1965/66

Werner Görts als Neuzugang vor der Saison 1965/66

Wenn man von den Bundesligahelden spricht, dann kommt der Name Werner Görts eigentlich nie vor, vielleicht weil Görts nur ein Jahr für die Schwarz -Weissen spielte und den Verein nach dem Bundesligaabstieg wieder verließ. Vielleicht auch weil er erst nach seinem Abgang so richtig in der Bundesliga durchstartete…was viele gar nicht wissen Werner Görts sollte es bis zum Nationalspieler schaffen.

Am 15.Januar 1942 wurde Görts in Wuppertal geboren. Beim Cronenberger SC (Stadteil von Wuppertal) lernte er das Fußball ABC und debütierte mit 20 für Bayer Leverkusen in der Oberliga West. 5 Tore in 25 Einsätzen ließen auch Nationaltrainer Sepp Herberger aufmerksam werden, der ihn prompt zu einem Kurzlehrgang einlädt. Trotz mehrfacher Nominierung soll ihm das Länderspiel noch verwehrt bleiben. Mit Bayer bleibt Görtz auch nach Gründung der Bundesliga in der Oberliga West. Erst der Ruf von Horst Buhtz führt den talentierten Flügelstürmer in die Bundesliga. In Neunkirchen kommt er in 28 Begegnungen zum Einsatz, schießt aber nur ein Tor und kann am Ende ebenso wenig den Abstieg verhindern.

Trotzdem weckt er Begehrlichkeiten beim damals deutschen Meister und so verwundert es wenig das er sich Werder Bremen anschließt. Doch statt Meisterkampf heißt es erneut Abstiegskampf. Als Tabellensechzehnter hält man knapp die Klasse, Görtz kann diesmal in 30 Spielen 5 Tore beitragen. Dank seiner Spielweise bekommt er von den Fans den Spitznamen „Anneliese“ verpasst. Als Grund nimmt man an das es an seiner spielerischen Klasse, in einer eher kampfbetonten Werdermannschaft lag. Diese Klasse zeigt er in seinem zweiten Jahr in der Hansestadt, als er in 30 Begegnungen 16 Tore erzielt und damit seinen Verdienst an der Vizemeisterschaft hat.

Bierdeckel Haage-Beck 1971/72

Bierdeckel Haage-Beck 1971/72

Nationaltrainer Helmut Schön lädt ihn in das Aufgebot für das Länderspiel gegen Frankreich am 27. September 1967 in Berlin ein, zum Einsatz kam er wiederum nicht. Als Rechtsaußen spielte er dagegen am 24. Januar 1968 in Essen beim Spiel einer DFB-Auswahl gegen Rot-Weiss Essen in einem Testspiel für die Nationalmannschaft. Görts klopfte wiederholt ans Tor zur Nationalelf, die herausragende Klasse der Konkurrenten  Libuda, Jürgen Grabowski, Löhr oder Siegfried Held versperrten aber in seinen guten Jahren den Weg hinein. Im Verein läuft es in den nächsten Jahren eher bescheiden, Werder gehört nur noch zu den grauen Mäusen der Liga. Nach der Saison 1977/78 beendet Werner Görts mit 36 Jahren seine aktive Karriere.

Da Fußballer damals zwar schon ordentlich verdienten, aber längst nicht ausgesorgt hatten, ging er noch während seiner Bundesligazeit halbtags in einer Bremer Bank seinem erlernten Beruf als Bankkaufmann nach. Nebenbei führte er zusammen mit seiner Ehefrau eine Toto- und Lotto-Annahmestelle. Heute wohnt Werner Görts in Lilienthal bei Bremen.

  • in 12 Jahren Bundesliga kommt Görtz auf 391 Spiele und 74 Tore
  • in seinem einzigsten Länderspiel dem 5:2 Testsieg gegen RWE schießt Görtz 1 Treffer

 

Vereinsrekord bis heute…

Das Thema „längste Siegesserie“ war bekanntlich noch nicht ganz aufgelöst, zuviele Saisons hatten noch gefehlt um letztlich ein Ergebniss zu verkünden. Das schöne ist das Dank Tobias sogar die komplette sportliche Vereinshistorie abgearbeitet wurde und somit das Ergebniss die zugleich längste Siegesserie in der Geschichte des Vereins darstellt. Geht man rein nach der Statistik wird man mit einer Serie von 14 ungeschlagenen Spielen unter Umständen nur Dritter, alles was danach folgt garantiert die Meisterschaft. Rein statistisch natürlich…;-). Ein Dank geht an Axel der die Serie herausfand.

  • den Platz 5 gibt es für 20 ungeschlagene Spiele in der Saison 1971/72. Trainer damals war die Legende Alfred „Adi“ Preissler, genau der Preissler der Borussia Dortmund als Spieler zu zwei deutschen Meisterschaften führte und Borussia schon einmal von 1960 – 1962 trainierte. Borussia verlor in jener Saison nur ein Spiel, das am 10. Spieltag, sonst wäre wohl eine weit bessere Serie drin gewesen. Letztlich aber war es egal, Borussia wurde überlegen Meister vor Röchling Völklingen. In der Aufstiegsrunde scheiterte man allerdings an übermächtigen Wuppertalern und landete schließlich auf Platz 3. Bester Stürmer im Borussentrikot war der gebürtige Wuppertaler Jürgen Papies, der vor der Saison vom Bundesligisten Eintracht Frankfurt kam. Für Papies war es sportlich die vielleicht beste Saison die er je gespielt hat, 25 Tore in 30 Einsätzen. In der Aufstiegsrunde war er Rekordtorschützenkönig mit 8 Treffern in neun Spielen. Papies verließ den Verein ein halbes Jahr später Richtung Bayer Leverkusen, damals ebenfalls noch Regionalligist. Der Zuschauerschnitt der Regionalliga betrug damals 2600 Zuschauer im Schnitt, Borussia kam auf fast 5000 in jener Saison.
  • Platz vier mit 22 ungeschlagenen Spielen in Serie ist die Saison 1976/77, damals wurde man Meister in der Amateurliga Saar mit 11 Punkten Vorsprung und 111 geschossenen Toren. In der Aufstiegsrunde zur 2.Bundesliga hatte man keine Chance gegen Eintracht Trier. Meistertrainer war Dietmar Schwager, ein Ur-lautrer der bis heute die zweitmeisten Bundesligaeinsätze als FCK Spieler vorweisen kann. Nach seinem Engagement im Ellenfeld wurde er erst Co. und dann Cheftrainer des FC Schalke 04.
  • Platz drei mit 24 Spielen am Stück ist die Saison 1963/64. Klar die Aufstiegssaison in die Bundesliga unter Trainer Horst Buhtz. Diese Mannschaft konnte wahrscheinlich jedes kleine Kind in Neunkirchen im Schlaf aufzählen. Mit Willi Ertz, Hans Schreier, Günter Schröder und Heinz Simmet stehen vier Spieler des Kaders auch in der 50 Jahre Bundesliga Saarland Juiläumself. Von den 38 Saisonspielen gewann man 25, spielte zehn mal unentschieden und verlor nur drei Spiele. Am Schluß machte ein Pünktchen den Unterschied. Borussia stieg damals mit der besten Abwehr auf, ein wichtiger Grundpfeiler auch für die erste Bundesligasaison.
  • Tara, Platz zwei gab es in der Saison 1975/1976 mit unglaublichen 29 Spielen. Wieder so eine unfassbare Saison in der man die Liga beherrschte und verdient Meister der Amateurliga wurde. Nur eine einzige Niederlage gab es in 30 Spielen. 118 : 18 Tore sagen alles…Meistertrainer war Stefan Abadschiew, der 1969 illegal aus Bulgarien nach Deutschland emigrierte. Abadschiew war 27 facher Nationalspieler Bulgariens, der 3 mal mit seinem Verein Lewski Sofia bulgarischer Meister wurde, dazu weitere vier mal Pokalsieger.
  • Trommelwirbel…Platz 1 und damit die längste ungeschlagene Serie in Folge gab es 1989/90 – 1990/91 mit 30 Spielen. Also, das wären 11 Siege und 4 Unentschieden in der Saison 1989/90 und 12 Siege und 3 Unentschieden in der Saison 1990/91. Macht zusammen also 23 Siege und 7 Unentschieden. Für den ersten Teil der Serie ist noch Trainer Gerd Schwickert zuständig, für den zweiten Teil Horst Brand. Beide Trainer haben aktuell den selben Job, Gerd Schwickert arbeitet heute als Talente Scout für den SC Freiburg. Horst Brand macht das selbe für seinen Heimatverein Eintracht Trier. Wenn man in diese Serie noch die Saarlandpokalspiele einrechnen würde, dann wäre es eine Serie von 35 Siegen, Borussia holte damals auch den Pokal. Schon eine beeindruckende Bilanz…Seit dieser Zeit hat Borussia nie wieder an der 2.Bundesliga schnuppern dürfen. Übrigens das ominöse Geinsheim gegen die die Serie riß, ist ein Ortsteil von Neustadt an der Weinstraße. Kleine Anektode dazu: Geinsheim hat die Vereinsfarben blau-schwarz aus Begeisterung über den SV Waldhof. Ein paar Gründungsmitglieder waren wohl Wochen zuvor bei einem Spiel der Mannheimer. s1 s3

die längsten Serien der Borussengeschichte

die Überschrift stimmt nicht ganz…Elf Spiele ist die Mannschaft von Dieter Ferner mittlerweile ungeschlagen, eine beeindruckende Serie die die Frage aufwirft gab es schon mal ähnliches und wenn ja wann und wie? Als Maßstab gelten natürlich die elf ungeschlagenen Spiele…leider konnte ich per Suchmaschine nur die Oberliga Südwest seit den Neunzigern, die Regionalliga sowie die Bundesliga und 2.Bundesliga Jahre nachverfolgen. Es gibt zwar reichlich Seiten wie transfermarkt.de, fußball.de oder Fussballdaten.de allerdings ist das Angebot der ersten beiden stark eingeschränkt, lediglich fussballdaten.de bietet alle Ergebnisse, leider aber nur in Kreuztabellen ohne Datumsangabe. Womit das rückverfolgen eine Serie nunmal nicht möglich ist. Es sei denn man würde sich auch noch den entsprechenden Spielplan heraussuchen. Aber erstens keine Ahnung ob man die auch so einfach mal findet und zweitens eine Arbeit für absolute Statistiknarren. Mir ist die Zeit leider nicht gegeben…Für die Jahre nach dem zweiten Weltkrieg bis zur Einführung der Bundesliga, gibts leider auch keine wirklich aufschlussreichen Daten, allerdings dürfte bis 57/58 kaum eine solche Serie dabei gewesen sein. Anders sieht es danach aus, denn da beherrschte man mit eins, zwei anderen Mannschaften die Liga, womit mit ziemlicher Sicherheit auch beeindruckende Serien gespielt wurden.

Somit bleiben am Ende der Suche ganze zwei Serien übrig, beide aber durchaus beeindruckend…genauso wie die Tatsache das sie eben 98/99 und 99/2000 gespielt wurden.

  • In der Saison 1999/2000 gab es unter Trainer Stefan Kuntz eine noch bessere Serie. Man startete am 21.Spieltag mit einem 4:1 Heimsieg gegen Wirges und musste sich erst am 36.Spieltag zu Hause gegen den Vfl Hamm geschlagen geben. Eine Woche zuvor hatte man die Meisterschaft mit einem 2:2 unentschieden beim VfB Theley errungen. Insgesamt blieb man in 14 Spielen ungeschlagen, davon gewann man 12, lediglich zweimal spielte man unentschieden.
  • Unglaubliche 17 mal in Folge ungeschlagen blieb man in der Saison 1998/99 unter Werner Weiß. Sellemols startete man am 13.Spieltag mit einem 4:2 Heimsieg gegen Eisbachtal und gegen den gleichen Gegner endete im Rückspiel am 30.Spieltag die Serie im Westerwald. Damals holte man 13 Siege und 4 Unentschieden.

Update: Schon die ersten Reaktionen zeigen das es hier in absehbarer Zeit eine Überarbeitung des Textes geben wird…