DFB-Pokal da war doch was – eine kleine Erinnerung an ´85

Martin Ruffing erzielt in dieser Szene den 1:1 Ausgleich gegen RWO, rechts Max Brill

Martin Ruffing erzielt in dieser Szene den 1:1 Ausgleich gegen RWO, rechts Max Brill

Am vergangenen Wochenende fand die 1.Runde des DFB Pokals statt. Ein Wettbewerb in dem Borussia über Jahrzehnte Stammgast war, als einzigst saarländischer Verein hat man es bis ins Endspiel geschafft. Mit dem Niedergang in die Fünftklassigkeit sind einstige Zeiten schon lange her. Das letzte Gastspiel datiert aus dem Jahre 2003, damals kam der Rekordmeister FC Bayern München ins Ellenfeld. Zeit mal wieder im Buch der Erinnerungen zu blättern und auf das Pokaljahr 1985 zurückzuschauen.

Das mit einem goldenen Mai begann. Georg Müller machte mit einem Doppelpack beim Kreisklasseverein FV Fischbach den Einzug ins Achtelfinale klar, wo man auf den Ligarivalen aus Dudweiler traf. 650 Zuschauer im Ellenfeld sahen ein knappen 2:1 Sieg, den entscheidenden Treffer machte Peter Rubeck. Im Viertelfinale hatte man erneut Heimrecht gegen den Verbandsligisten Saarwellingen. Ein knapper 1:0 Sieg durch ein Dieter Fischer Tor bedeutete Halbfinale, dass man 3 Tage später erneut in Neunkirchen spielen konnte. Mit Rot-Weiß Hasborn war wieder ein Verbandsligist zu Gast und wieder einmal gewann man knapp mit einem Tor mehr, 2:1. Das Finale fand dann am 1.Juni in Quierschied statt. Gegner war mit dem SV Auersmacher auch diesmal ein Verbandsligist. Doch im Vergleich zu den Vorrunden ließ die Mannschaft von Jürgen Fuhrmann nichts anbrennen. 1250 Zuschauer wurden Zeuge wie Borussia dem SV Auersmacher eine Lehrstunde erteilte. Am Ende stand es 6:0 für die Schwarz-Weissen und Uwe Grub war mit drei Treffern der Held des Tages.

Hoch lebe Präsident Muthweiler

Hoch lebe Präsident Muthweiler

Damit stand die Borussia im DFB Pokal, wo man in Runde eins Rot-Weiß-Oberhausen zugelost bekam. RWO war damals eine feste Größe in der 2.Bundesliga und kam mit Spielern wie Rüdiger Abramczik, Manni Burgsmüller, Theo Schneider oder Anthony Baffoe ins Ellenfeld. Schiedsrichter der Paarung war ein gewisser Herr Merk. Die Partie begann denkbar schlecht für die Schwarz-Weissen, schon nach 8.Minuten ging der Favorit durch ein Tor von Manni Burgsmüller in Führung. Borussia war daraufhin kurzzeitig geschockt, lieferte aber durch Martin Ruffing in der 21. Minute die passende Antwort. Doch erneut ging der Gast vom Niederrhein durch Burgsmüller in Führung. So ging es dann auch zum Pausentee. In der zweiten Hälfte lieferten sich beide Teams ein umkämpftes Spiel. Als sich die 2.000 Zuschauer so langsam mit dem Gedanken des ausscheidens anfreundeten, schaffte Neuzugang Max Brill 3 Minuten vor Schluß den Ausgleich. Immerhin die Verlängerung winkte, doch Borussia gelang durch Schön noch der sensationelle Siegtreffer.

der Siegtreffer

der Siegtreffer

Borussia schaffte damit den Einzug in die 2.Runde. Hier drohten nach damaligen Regularien auch Auswärtsspiele, doch das Losglück bescherte statt Auswärtsfahrten nach Ulm oder St.Pauli den Sieger aus der Partie Stuttgarter Kickers – FC Homburg. Am Ende sollte es der Zweitligist aus Homburg werden. Borussia verlor das Spiel unglücklich mit 3:1. Der FCH schied eine Runde später gegen Dortmund aus, feierte aber am Saisonende den Aufstieg in die Bundesliga. saarlandpokal854

DFB Pokal? da war doch was…

Jirasek im Tor

Borussentorhüter Jirasek hat den Ball sicher

Am Wochenende startet der DFB-Pokal, einmal mehr ohne den schwarz-weissen Traditionsverein. Aber die Pokalgeschichte auf nationaler Ebene ist eh recht überschaubar und dennoch sicherlich demnächst ein Text Wert. Einen Erfolg aber gab es, den Finaleinzug 1959. Bis heute gilt es als einst der uninteressantesten Finals der Pokalgeschichte. Bild Pokal, Ausriss

Am 27.Dezember 1959 trafen im Kasseler Auestadion der damalige Lackschuhverein ETB Schwarz- Weiss-Essen auf den Arbeiterverein Borussia Neunkirchen. Was nach einer spannenden Paarung klingt, war im Rest von Fußballdeutschland eher ein Gähner. Borussia war zu jener Zeit eher regional eine große Nummer und auch Schwarz-Weiss-Essen schaffte erst vor der Runde wieder den Aufstieg in die Oberliga West. Hinzu kam das damals das Endspiel noch am Jahresende ausgetragen wurde und mit dem 27.Dezember hatte man kein wirklich glückliches Los getroffen. Selbst vom DFB – Vorstand war niemand erschienen. Borussia setzte sich im Halbfinale zu Hause 2:1 gegen den VfR Mannheim durch, der seinerseits damals süddeutscher Pokalsieger war. Das Endspiel war recht schnell eine einseitige Angelegenheit. ETB war nach dem 2:1 Halbfinalsieg gegen den Hamburger SV der Favorit. Beide Teams begannen stürmisch, wollten unbedingt das erste Tor. Besonders Essen tat sich schwer mit der „Ziehharmonika Taktik“ ( Alle vor, Alle zurück) der Borussia. Aber mit der 1:0 Pausenführung für Essen und dem schnellen zweiten Tor war die Partie gelaufen. 5:2 hieß es am Schluß…

Rummel mit dem 1:0...

Rummel mit dem 1:0…

Aufstellung Borussia Neunkirchen: Jirasek – Frisch, Schreier – Leist, Lauck, Harig – Follmann, Meurer, Ernser, Dörrenbächer, Ringel

ein paar Stimmen zum Spiel:

kicker: Die bedenklichsten Schwächen zeigten sich freilich in der Essener Deckung. Obwohl die Neunkirchener wahrhaftig keinen Wundersturm auf dem Feld hatten, mussten es die Essener zulassen, dass die Borussen eine ganze Reihe hübscher Torchancen fabrizierten. Und wenn Dörrenbächer nicht so ein Umstandskrämer gewesen wäre, ja, wenn sein gewaltiger Lattenschuss in der 25. Minute um einige Zentimeter tiefer eingeschlagen hätte – wer weiß wie die Dinge dann gelaufen wären.

kicker: Bleiben wir dem, was in Kassel geschah, in einem Pokal-Endspiel, dass bestenfalls Oberligadurchschnitt besaß und dem zu allem Überfluss auch während der zweiten Hälfte jede Spannung fehlte. (…) Borussia Neunkirchen hatte seine Chancen während der ersten 45 Minuten vertan. Während dieser Phase blies ein überaus starker Wind in den Rücken der Saarländer. Sie nutzten diese Unterstützung zu gefährlichen Schüssen aus dem Hinterhalt.

kicker: Die Neunkirchener zogen im Mittelfeld durch ihre besten drei Spieler, den zähen Harig, den fleißigen Leist und den umsichtigen Meurer, ein Spiel von biderer Handwerklichkeit auf. Das genügte, um zusammen mit dem agilen Follmann, dem wuchtigen Emser, dem allerdings viel zu schwerfälligen Dörrenbächer und dem nicht die erwartete Wirkung erzielenden Ringel die Essener in schwere Bedrängnis zu bringen.

Bernd Oles, der Trainer von Borussia Neunkirchen: „Bei Halbzeit hätten wir 3:1 führen müssen. Dann wäre Ruhe in die Elf gekommen, das Spiel anders gelaufen. Ich verstehe auch nicht, weshalb der Schiedsrichter unser Tor aberkannte. Der dritte Essener Treffer war zudem abseits, und als Lauck wegen seiner Prellung am Fuß ausfiel, war nichts mehr zu machen.“

ETB Abwehrspieler Heinz Ingenbold: „In den letzten 10 Minuten haben wir uns sogar die Frechheit erlauben können, es nur mit dem linken Fuß zu versuchen“

DFB Spielauschuss-Vorsitzender Hans Körfer: „Schwarz-Weiß ist eine Mannschaft mit Zukunft. Welches Tempo diese Jungen vorlegten und wie sie ihre Tore machten! Neunkirchen war zu verspielt, zu umständlich. Sehr gut Küppers. Wenn sich Rummel technisch verbessert, kann er seinen Weg machen.“

Georg Gawliczek, Co-Trainer der Nationalmannschaft unter Sepp Herberger: „Ein Spiel ohne großes Format. Obwohl der Sieg so klar ausfiel, hatte ich in der ersten Halbzeit den Eindruck, dass Essen zu schlagen gewesen wäre. Die Neunkirchener versäumten es, ihre klaren Chancen auszunutzen. Die Essener Mannschaft hat eine prächtige Leistung in der zweiten Hälfte geboten, vor allem in der Spritzigkeit ihres Angriffspiels.“