Der „unvergessene“ DSC – Erinnerung an die große sächsische Meisterelf

Sie waren der letzte deutsche Meister vor der Teilung Deutschlands. Sie waren die vielleicht beste Mannschaft jener Zeit Anfang Mitte der Vierziger und bestimmten auch in den ersten Jahren den Fußball in der sowjetischen Besatzungszone. Mit dem Ende des „unvergessenen DSC“ verabschiedete sich fast die komplette Mannschaft in den Westen der Republik.

Tschammer1Die Ursprünge des Dresdner SC beginnen 1874 mit dem Dresden English Fo0tball Club, der erste Verein weltweit der das Fußballspiel in jener Zeit nach den heute gültigen Regeln außerhalb Englands spielte. 20 Jahre lang verlor der DFC kein einziges Spiel, nicht mal ein einziges Tor schafften die Gegner in jener Zeit. Als 1894 die Berliner Victoria (nach der Jahrhundertwende zweimaliger Meister) dem DFC eine 2:0 Niederlage zusetzte, wollte das die Fußballwelt erst gar nicht glauben. Weiterlesen

Was wurde eigentlich aus…Werner Görts?

Werner Görts als Neuzugang vor der Saison 1965/66

Werner Görts als Neuzugang vor der Saison 1965/66

Wenn man von den Bundesligahelden spricht, dann kommt der Name Werner Görts eigentlich nie vor, vielleicht weil Görts nur ein Jahr für die Schwarz -Weissen spielte und den Verein nach dem Bundesligaabstieg wieder verließ. Vielleicht auch weil er erst nach seinem Abgang so richtig in der Bundesliga durchstartete…was viele gar nicht wissen Werner Görts sollte es bis zum Nationalspieler schaffen.

Am 15.Januar 1942 wurde Görts in Wuppertal geboren. Beim Cronenberger SC (Stadteil von Wuppertal) lernte er das Fußball ABC und debütierte mit 20 für Bayer Leverkusen in der Oberliga West. 5 Tore in 25 Einsätzen ließen auch Nationaltrainer Sepp Herberger aufmerksam werden, der ihn prompt zu einem Kurzlehrgang einlädt. Trotz mehrfacher Nominierung soll ihm das Länderspiel noch verwehrt bleiben. Mit Bayer bleibt Görtz auch nach Gründung der Bundesliga in der Oberliga West. Erst der Ruf von Horst Buhtz führt den talentierten Flügelstürmer in die Bundesliga. In Neunkirchen kommt er in 28 Begegnungen zum Einsatz, schießt aber nur ein Tor und kann am Ende ebenso wenig den Abstieg verhindern.

Trotzdem weckt er Begehrlichkeiten beim damals deutschen Meister und so verwundert es wenig das er sich Werder Bremen anschließt. Doch statt Meisterkampf heißt es erneut Abstiegskampf. Als Tabellensechzehnter hält man knapp die Klasse, Görtz kann diesmal in 30 Spielen 5 Tore beitragen. Dank seiner Spielweise bekommt er von den Fans den Spitznamen „Anneliese“ verpasst. Als Grund nimmt man an das es an seiner spielerischen Klasse, in einer eher kampfbetonten Werdermannschaft lag. Diese Klasse zeigt er in seinem zweiten Jahr in der Hansestadt, als er in 30 Begegnungen 16 Tore erzielt und damit seinen Verdienst an der Vizemeisterschaft hat.

Bierdeckel Haage-Beck 1971/72

Bierdeckel Haage-Beck 1971/72

Nationaltrainer Helmut Schön lädt ihn in das Aufgebot für das Länderspiel gegen Frankreich am 27. September 1967 in Berlin ein, zum Einsatz kam er wiederum nicht. Als Rechtsaußen spielte er dagegen am 24. Januar 1968 in Essen beim Spiel einer DFB-Auswahl gegen Rot-Weiss Essen in einem Testspiel für die Nationalmannschaft. Görts klopfte wiederholt ans Tor zur Nationalelf, die herausragende Klasse der Konkurrenten  Libuda, Jürgen Grabowski, Löhr oder Siegfried Held versperrten aber in seinen guten Jahren den Weg hinein. Im Verein läuft es in den nächsten Jahren eher bescheiden, Werder gehört nur noch zu den grauen Mäusen der Liga. Nach der Saison 1977/78 beendet Werner Görts mit 36 Jahren seine aktive Karriere.

Da Fußballer damals zwar schon ordentlich verdienten, aber längst nicht ausgesorgt hatten, ging er noch während seiner Bundesligazeit halbtags in einer Bremer Bank seinem erlernten Beruf als Bankkaufmann nach. Nebenbei führte er zusammen mit seiner Ehefrau eine Toto- und Lotto-Annahmestelle. Heute wohnt Werner Görts in Lilienthal bei Bremen.

  • in 12 Jahren Bundesliga kommt Görtz auf 391 Spiele und 74 Tore
  • in seinem einzigsten Länderspiel dem 5:2 Testsieg gegen RWE schießt Görtz 1 Treffer

 

Einblicke in den St.Ingberter Fußball…

Am Sonntag wird es auf dem Nebenplatz des Ellenfelds, die Partie Borussia Neunkirchen II gegen den FC Viktoria St.Ingbert geben. Ein Partie die im übrigen das erste Mal vor 102 Jahren statt fand, damals allerdings in St.Ingbert. Die Mittelstadt im Süden des Landes, ist die fünftgrößte saarländische Stadt und bietet heute nur noch unterklassigen Fußball. Das das mal anders war, dafür steht nicht nur der Lokalrivale SV St.Ingbert mit einst so klangvollen Namen wie Horst Eckel oder Helmut Schön. Auch der Gegner am Sonntag hat eine ganz eigene Traditionsgeschichte und eng mit dieser verknüpft sind auch Vereine die im Laufe der Jahre durch die Geschichte verschwanden oder wie die DJK neu entstanden.cache_2414864565Denn der FC Viktoria St.Ingbert ist der älteste Fußballverein der Stadt. Er wurde schon gegründet, als die Stadt 1909 noch zum bayrischen Königreich gehörte. Weshalb der Verein ab 1913 auch zum Süddeutschen Fußballverband gehörte. Die ersten Geburtswehen des Vereins waren gerade abgelegt, mit dem FV St.Ingbert traten zahlreiche weitere Vereinsmitglieder bei, da stand die nächste Barriere vor dem noch jungen Verein. Mit dem Ausbruch des ersten Welkriegs (1914 – 1918) erlag der Spielbetrieb, zahlreiche Spieler mussten nun das Fußballdress gegen eine Uniform eintauschen. Erst 1917 konnten einige entlassene Verwundete den Verein wieder neu beleben und wieder trat mit dem FC Bavaria ein kompletter Verein zu den Viktorianern über.

  • 1913 bestanden laut DFB: in 949 Ortschaften 1936 Vereine mit 161.613 Mitgliedern.

Durch den Versailler Vertrag 1919 wurden St. Ingbert sowie Homburg von der Pfalz an das neu geschaffene Saargebiet abgetreten. Und auch der Verein erlebte einen neuen Aufschwung. Dank Reinhold Becker, dem Besitzer der „Becker Brauerei“  konnte der Verein im Belzental ein Grundstück erwerben und so endete eine 10jährige Odyssee über die Wiesen der Stadt. Im selben Jahr kam es übrigens auch zum ersten Lokalderby, mit dem FC Ingobertia! Dieses Derby sollte in den nächsten Jahren tausende in seinen Bann ziehen, denn mit Viktoria und Ingobertia trafen zwei komplett gegensätzliche Vereine aufeinander. Die Viktoria war der Verein der Bürgerlichen, zu dem eher die Geschäftsleute, Beamte und Standespersonen gehörten. Beim FC Ingobertia hingegen fand größtenteils die Arbeiterschaft ihr Zuhause. Der Sportplatz der Ingobertia befand sich auch auf dem Gelände des Eisenwerks (Schmelz). Dennoch sollte der FC Ingobertia nie in der selben Klasse wie der Lokalrivale spielen.

die alte Schmelz (Heimat des FC Ingobertia)

die alte Schmelz (Heimat des FC Ingobertia)

1920 wird das bis dahin sportlich beste Jahr des Vereins, dank der Bezirksmeisterschaft steigt man in die Gauliga A auf. Die Spielklassen waren recht klein, denn allzu viele Vereine gab es ja noch nicht, so dass man in der neuen Liga nur auf den FV Homburg, Landstuhl, Phönix Kaiserslautern, 1911 Kaiserslautern, VfB Zweibrücken und SV Elversberg traf, wo man auf Anhieb Platz eins erreichte. Doch in der Qualifikation gegen die Gaumeister Nordpfalz Arminia Rheingönheim und Südpfalz  MTV Pirmasens scheiterte man noch in jenem Jahr. Erst 1922 hatte es die Viktoria dann endlich geschafft in die höchste Spielklasse aufzusteigen. Nach einer Ligenneuregelung spielte man ab 1923 in der höchsten saarländischen Liga u.a gegen Neunkirchen 09, Güdingen, SV Elversberg, Sulzbach und Halberg Brebach.

Im selben Jahr gründet sich die Deutsche Jugendkraft St.Ingbert, der junge katholische Verein hat allerdings bis zum Beginn des zweiten Weltkriegs genug damit zu tun, den Verein aufzubauen. Ein Spielgelände nutzbar zu machen und Jugendmannschaften ins Leben zu rufen. Die DJK spielte damals übrigens im DJK Verband. So zogen die Jahre ins Land, bis 1935 das Saarland heim ins Reich geholt wurde. Nun galten die nationalsozialistischen Gesetze u.a das Omni-Gesetz das besagte, dass in einer Stadt von der Größe St.Ingberts nur noch ein Verein bestehen darf. Trotz heftiger Gegenwehr wurden alle Vereine zum Vfl St.Ingbert zusammen gefasst. Dazu gab es einen Dietwart der den Verein nationalsozialistisch erziehen sollte, desweiteren mussten alle Jungs ab dem 15.Lebensjahr auch automatisch in der Hitlerjugend sein. Die Umstrukturierung war letztlich eine Mißgeburt, der Verein wurde weder von den Mitgliedern noch von den Zuschauern allzu sehr geschätzt. Mit Beginn des 2.Weltkriegs endet dann die Geschichte des VfL.

Der St.Ingberter Fußball entsteht neu

DJK St.Ingbert 1929

DJK St.Ingbert 1929

1945 werden alle Anträge zur Wiederkehr des FCV von den französischen Besatzungsbehörden abgelehnt. Immerhin nach langen Verhandlungen mit der Militärbehörde gelingt es einer Initiative aus ehemaligen Ingobertia-Mitgliedern eine Zulassung für einen neuen Verein unter dem Namen SV zu bekommen. Erst 1948 genehmigte das Kultusministerium des Saarlandes für Ortschaften über 15.000 Einwohner einen zweiten Verein. Sofort stellt die Viktoria wieder eine Fußballmannschaft zusammen, aber erneut wurde der Name Viktoria nicht genehmigt, erst 1950 kehrt der Traditionsname zurück auf die Fußballlandkarte. Spielte man nun noch vergleichsweise hoch (2..Amateurklasse) folgte in den nächsten Jahrzehnten ein Absturz bis in die Bezirksliga 2007. Seit 2009 spielt die Viktoria wieder in der Landesliga und ist damit aktuell die Nummer zwei in der Stadt.

Die DJK wird erst 1958 wiedergegründet. 1962 bekommt sie ihre Gelände „Obere Rischbach“. Sportlich aber bleibt sie im Schatten der beiden Großen. Aktuell spielt die DJK in der Bezirksliga…

Die glorreichen Fünfziger Jahre…

Der 1945 ins Leben gerufene SV erlebt schnell seine Blütezeit. 1950 landet man in der Amateurliga Saarland, fünf Jahre später ist der Verein Saarlandmeister. Der Erfolgstrainer Hoppe konnte allerdings die Mannschaft in der Aufstiegsrunde zur II.Liga Südwest nicht mehr betreuen. Das übernahm für ihn der Trainer der saarländischen Nationalmannschaft Helmut Schön. Er schaffte mit der Mannschaft den Aufstieg in die II.Liga. In St.Ingbert hielt das Vertragsspielertum Einzug. Helmut Schön allerdings strebte seiner DFB-Karriere zu, so das sich der Verein wieder mit einem neuen Trainer in der Runde beweisen musste. Man schaffte den Klassenerhalt und feierte schon ein Jahr später erneut eine Meisterschaft. Der Fußball in St.Ingbert strebte seinem absoluten Höhepunkt entgegen. Das Zuschauerinteresse im Mühlwaldstadion war riesig. 3.000 Zuschauer gegen Tura Ludwigshafen, 2.500 im Lokalderby gegen Hühnerfeld und selbst 1.500 Saarländer machten sich auf den Weg zum Auswärtsspiel nach Zweibrücken.st-ingbert-sv

Das alles sollte aber noch getoppt werden als die Gegner in der nun höchsten Spielklasse der Oberliga Südwest 1.FC Kaiserslautern, 1.FC Saarbrücken, Mainz 05 oder Borussia Neunkirchen hießen. Am Ende musste man sich allerdings geschlagen geben, als Tabellenletzter stieg man direkt wieder ab. Was bleibt ist der ewige Rekord im Mühlwaldstadion, 8000 Zuschauer gegen Wormatia Worms. Und immerhin es folgten noch ein paar gute Jahre in der II.Liga. 1963/64 war dann auch die II.Liga rum, die Einführung der Bundesliga forderte eine neue Ligastruktur. Die nun zweitklassige Regionalliga verpassten die Mittelstädtler als Neunter nur haarscharf. Die folgenden Jahre waren geprägt von Spitzenplätzen, aber ein Meistertitel sollte nicht gelingen. Doch auch Vizemeistertitel hatten in jenen Jahren noch Bedeutung, man durfte an der deutschen Amateurmeisterschaft teilnehmen, aber auch hier rissen die St.Ingberter keine Bäume aus und flogen zumeist schon sehr früh raus. Nach dem Abstieg in Liga 3 im Sommer 72, wurde eine neue Mannschaft am Mühlwald aufgebaut. Im zweiten Jahr folgte der Aufstieg und der SV war wieder „in“. 4.000 Zuschauer kamen ins Mühlwaldstadion zum Spiel gegen den SV Bliesen, das die Meisterschaft in der 2. Amateurliga entschied. Im Folgejahr in der Saarlandliga brachte der Hurra-Stil des SV einen tollen Zuschauerschnitt von rund 1.200. Die Zweite Meisterschaft in Folge, in der Runde 1973/74 war aber fast nichts wert. Nach dieser Runde wurden die Fußballligen wieder einmal neu geordnet. Die zweigleisige zweite Liga entstand. Der Meistertitel brachte nur die vierte Qualifikation zur Deutschen Amateurmeisterschaft, gegen den FK Clausen aus der Pfalz gab es dort zwei Niederlagen. Dass es nach dem Saarlandtitel nicht weiter nach oben ging, hatte fatale Folgen. Eine ganze Reihe Spieler verließen den Verein, die Meisterschaft fiel rasch auseinander.

Gönner des St.Ingberter Fußballs

Gönner des St.Ingberter Fußballs

Der Rest der Siebziger Jahre war vom permanenten Abstiegskampf unter wechselnden Trainern geprägt.
Auch Fußballweltmeister Horst Eckel konnte als Trainer daran nichts ändern.
Die SV-Teams standen am Rundenende bis 1981 nie mehr besser als auf Rang 13. Im Jahre 1981 stieg der SV St. Ingbert erneut aus der mittlerweile Verbandsliga Saarland genannten Klasse ab und wurde anschließend direkt in die Bezirksliga durchgereicht. Nach dem direkten Wiederaufstieg schafften die St. Ingberter gleich den Durchmarsch in die Verbandsliga. Ein letztes Aufbäumen schaffte der Verein noch mal in den späten 1990er Jahren, als erneut der Durchmarsch von der Bezirks- in die Verbandsliga gelang. Dieses Hoch war nur von kurzer Dauer und 2005 musste die Mannschaft in die Kreisliga absteigen. Mittlerweile ist die Mannschaft in die Landesliga zurückgekehrt. Dort feierte man 2013 die Meisterschaft, was den Aufstieg in die Verbandsliga bedeutete. Aktuell findet man sich dort im hinteren Drittel der Tabelle wieder.