Es ist schwer in Worte zu fassen was da gestern abgelaufen ist…

Es ist schwer in Worte zu fassen was da gestern abgelaufen ist, deshalb versuch ich es einfach mal chronologisch, denn irgendwie ergab gestern eins das andere. Die Ausgangslage war denkbar einfach, das Ziel die vielleicht letzten nötigen Punkte einzufahren um in Ruhe die Planungen für die neue Saison weiter vorantreiben zu können. Für Waldalgesheim hieß es alles in die Waagschale zu werfen um möglichst was zählbares mitzunehmen, auch weil die Konkurrenz unten drinne im Moment fleissig mitpunktet. 10173403_770293969655778_150624893_n

Aufstellung: Flauss – Kizmaz, Gashi, Haliti, Cullmann – N´Ganvala – Hedjilen, Dafi, Weston – Dausend, Hajdarovic

Jede taktische Idee oder Spielplan ist über den Haufen geworfen, wenn man schon nach ner Minute im Rückstand liegt. Besonders ärgerlich wird das, wenn man selbst den Ball in der Vorwärtsbewegung vertändelt. Die Gäste reagierten blitzartig und der aufgerückten Abwehr blieb nichts mehr anderes übrig, als dem Unglück seinen Lauf zu lassen. Ein Rückschlag der Spuren hinterlassen sollte. Aufgrund der Aufstellung war schon klar das man keine großartigen Spielkombinationen erwarten konnte, auch mit einer schwimmenden Abwehr musste man rechnen, denn auch hier war die Zusammenstellung einfach aus der Not geboren. Aber die Mannschaft leistete sich selbst immer wieder einen Bärendienst durch leichtfertige und unnötige Ballverluste.

Es war schon erstaunlich wie leicht Waldalgesheim teilweise vor Sebastian Flauss auftauchte, mit kurzen schnellen Spielzügen sorgten sie für ein wahres Chaos in der Defensive, in der irgendwann Abdul Kizmaz als letzter Mann sich nicht mehr ohne Foul zu helfen wusste.  Die Konsequenz, Platzverweis und sicherlich eine Sperre für die nächsten zwei,drei Spiele. So durfte dann Dieter Ferner noch einmal alles umkrempeln, die Abwehr veränderte sich auf zwei Positionen. N´Ganvala rückte aus dem Mittelfeld in die Innenverteidigung und Gashi aus selbiger auf die linke Abwehrseite. Bevor die Mannschaft sich auch nur finden konnte, nutzte Waldalgesheim die Unordnung aus und schon lag man nach einer Viertelstunde mit 2:0 zurück. Die Vorentscheidung, denn niemand im Stadion dürfte wirklich noch daran geglaubt haben das die Mannschaft nochmal zurückkommt.

In der Folge spielte Waldalgesheim ruhig seinen Stiefel runter, vor größere Problemstellungen wurden sie dabei auch nicht gestellt. Offensiv ging eigentlich gar nichts, denn was da teilweise für Anspiele und Ballverluste stattfanden, das war schon nah am Offenbarungseid. Wobei man auch sagen muß nach so einer Eröffnungsviertelstunde konnte man nichts anders mehr erwarten. Hilflos beschreibt die erste Halbzeit treffend. Die Verletzung und Auswechslung von Gashi machte die dritte Korrektur in der Abwehr nötig, die kurz darauf folgende rote Karte für Felix Dausend kurz vor der Halbzeitpause dürfte man in die Kategorie Frustbewältigung stecken. Allerdings sollte einem solch erfahrenem Spieler sowas nicht passieren, schon dreimal nicht in einer solchen Situation. Das war ein Bärendienst für die Mannschaft, der noch sehr teuer werden könnte, denn auch hier dürften durchaus ein paar Wochen spielfrei anstehen. Mehr möchte ich dazu auch nicht sagen…

10253190_770293966322445_1088371401_nGlück hatte Sebastian Flauss der bei einer Rettungsaktion mit gestrecktem Bein voran, außerhalb des Strafraums Gott sei Dank ohne Konsequenzen blieb. Über eine rote Karte hätte man sich nicht beschweren dürfen. Ansonsten scheint der Schlußmann seine Formkrise überwunden zu haben, vielleicht auch die Folge der Vertragsverlängerung. Gestern durfte man sich bei ihm bedanken das es nicht durchaus höher als 4:0 ausgegangen ist. Die zweite Hälfte bestand dann logischerweise eh nur noch aus Schadensbegrenzung, was die Mannschaft auch ganz ordentlich gemacht hat.

Fazit: Neben Noutsos, Früh, Omeröglu und Kirchen werden in den nächsten Wochen auch Gashi (verletzungsbedingt), Kizmaz und Dausend der Mannschaft fehlen. Ich möchte nicht geschenkt der Trainer sein, denn mir fehlt jede Idee wie diese Ausfälle auch nur irgendwie kompensiert werden sollen. Nächste Woche geht es dann in Roßbach weiter, wo man sich traditionell sehr schwer tut und wenn es dumm läuft steht man im nächsten Heimspiel schon unter massiven Abstiegsdruck. Deshalb kann es bei aller Enttäuschung nur noch um Schadensbegrenzung gehen…

160 Zuschauer wollten sich das Spiel noch geben, wenn man dann noch die paar Waldalgesheimer Zuschauer abrechnet, dann sind wir bei einem historischen Minusrekord. Wenn jetzt nicht langsam mal die Zeichen der Zeit erkannt werden, wann dann…Es war beängstigend den Schlusspfiff zu erleben, wären nicht die paar jubelnden Gäste gewesen, man hätte glauben können auf dem Zentralfriedhof der Stadt zustehen. Keine Pfiffe, kein Gemecker, kein gar nichts mehr, einfach nur Stille!

Update: Aktuell hält sich weiterhin das Gerücht das Dieter Ferner und sein Co Trainer Weller zurückgetreten sein sollen. Ich hoffe das sich das als falsch herausstellt, denn die einzigsten die jetzt endlich mal Konsequenz an den Tag legen sollten sind die Verantwortlichen, nämlich mit einem blitzsauberen Rücktritt um den Verein die Möglichkeit zu geben irgendwie noch die Kurve zubekommen. Das teilweise grenzenlose Vertrauen der Mitglieder wurde leichtfertig verspielt…!!!

Amateurfußball braucht Fans!

GaSawebbannerfreiEine Losung die in den vergangenen Monaten von Göttingen aus, durchs ganze Land zog und zumindest bei Vereinen und Fans auf fruchtbaren Boden fällt. 43 Vereine und Supportergruppen haben sich bislang der Initiative angeschlossen. Von der Nordsee bis runter an den Bodensee, von Aachen bis nach Greifswald, die Problematik überzieht die komplette Republik. Egal ob Liga 5 oder noch viel tiefer, das Problem ist überall das gleiche…Ohne Zuschauer kein Geld, ohne Geld kein Fußball…zumindest wenn er ambitioniert sein soll. Aus der unsrigen Oberliga sind mit Idar-Oberstein, FK Pirmasens und der SG Betzdorf drei Vereine an der Aktion beteiligt. Von denen die beiden erstgenannten noch Magneten in der Zuschauergunst der Liga sind. Aktuell liegt der Zuschauerschnitt der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar bei 256 Zuschauern pro Heimspiel. Besonders auffällig die Vereine in eher ländlichen Strukturen geniessen kaum Aufmerksamkeit, so schafft der Aufsteiger aus Burgbrohl gerade mal 160 Zuschauer im Schnitt und das obwohl das erste Oberligajahr der Vereinsgeschichte zugleich der größte Moment der Vereinshistorie ist. Mehr kann man wohl nicht mehr dokumentieren welch Reiz diese Liga ausübt. Der saarländische Aufsteiger Hertha Wiesbach dagegen schlägt sich überdurchschnittlich und kann mit 406 Zuschauern im Schnitt, Platz zwei der Liga belegen. Allerdings muß man das Saarland in dem Falle etwas spezifisch betrachten. Als kleinstes Flächenbundesland bekommen Spiele unter rein saarländischer Beteiligung durchaus noch etwas mehr Aufmerksamkeit. So hatte die Hertha zum ersten Oberligaspiel der Vereinsgeschichte gegen Völklingen noch 700 Zuschauer, gegen Borussia 761. Anders dagegen sehen die Zahlen aus, wenn der Gegner aus dem benachbarten Rheinland-Pfalz kommt. So waren beim letzten Heimspiel der Wiesbacher gegen Betzdorf gerade mal 175 Zuschauer auf dem Sportplatz, gegen Tabellenführer Hauenstein gerade mal enttäuschende 280.

Spieltagsflyer

Spieltagsflyer

Damit wird auch deutlich wo die Probleme liegen. Nicht nur der Profifußball mit seinem zerstückelten Spieltagsterminen und ständigen Liveprogramm kosten Aufmerksamkeit. Sondern auch die Zusammenstellung der Liga kostet Attraktivität, gerade für Vereine wie Wiesbach oder in der Vergangenheit Halberg-Brebach oder Köllerbach stellt sich die Frage welch Sinn ein Aufstieg für sie noch macht. Eine Liga tiefer in der Saarlandliga kann man mit Sicherheit dank zahlreicher Derbys mehr Zuschauer begrüßen, bei weniger Kosten. Die Oberliga hingegen kann letztlich nur allein mit sportlichen Argumenten reizen, was bei Etats die am Ende auf Naht genäht sind nur wenig Reiz ausübt. Der normale Fußballzuschauer vor Ort, hat eben keine Verbindung zu Vereinen wie Betzdorf, Roßbach oder Gonsenheim und dank nicht vorhandener medialer Aufmerksamkeit wird sich daran auch nichts ändern. Somit könnte sich in ferner Zukunft die Oberliga auch von ganz alleine erledigen. Allein die Verantwortlichen des Verbandes scheinen die Lage noch immer nicht begriffen zu haben, aber auch für die Vereine gilt, endlich zu handeln und gemeinsam darauf aufmerksam zu machen das der Weg den der höherklassige Amateurfußball eingeschlagen hat, eine Sackgasse ist.

Die Initiative „Glotze Aus, Stadion An“ wird sich übrigens im Januar auf dem Fankongress in Berlin präsentieren und für ihre Sache werben, denn im Rahmen dieses Treffens wird es auch zentral um diese Thematik gehen. 

nachfolgend eine kleine Statistik die ich bei transfermarkt.de gefunden habe, alle Zahlen auch im Bericht stammen von transfermarkt.de

  • Oberliga Südwest – 256 Zuschauer im Schnitt
  • Oberliga Baden Württemberg –  426 Zuschauer im Schnitt
  • Oberliga NOFV Nord – 300 Zuschauer im Schnitt
  • Schleswig – Holstein Liga – 251 Zuschauer im Schnitt
  • Oberliga Niedersachsen – 244 Zuschauer im Schnitt
  • Oberliga Hamburg – 229 Zuschauer im Schnitt
  • Hessenliga – 226 Zuschauer im Schnitt
  • Oberliga NOFV Süd – 196 Zuschauer im Schnitt